Wolfgang Schwarzenböck
Saliterstr. 19
D-84570 Polling-Annabrunn

www.reisefieberAmerika.de
rainbowridersbay@aol.com

Aprill 2003


XT for ever - the best there is!!

vor Oachaxa


 ALASKA - FEUERLAND

Inge und Wolfgang Schwarzenböck erfüllten sich einen Lebenstraum und durchquerten auf Ihren betagten Motorrädern den amerikanischen Kontinent von Nord nach Süd.
 Während der orkanartige Wind versucht unser Tunnelzelt aus der Verankerung zu reißen, liege ich im warmen Schlafsack und überlege angespannt, die wir hier wieder wegkommen. Soweit haben wir es schon geschafft, von Alaska bis kurz vor Feuerland, dan kann doch jetzt nicht das Ende sein! Inge, meine Frau liegt neben mir und schläft schon. Zu anstrengend waren für sie die Schoterpisten und die Windböen, die einem mit Sack und Pack von der Straße drängen. Kurz nach Mittag haben wir hier unter der Brücke, leicht windgeschützt unser Zelt aufgebaut. Inge konnte keinen Meter mehr fahren, hat mich angebrüllt wie nie zuvor und auch zu Fuß können wir uns kaum fortbewegen. So sind wir gezwungen hier zu übernachten. "Patagonien - das ist die Hölle" hatte man uns gewarnt und wir sind jetzt mitten drin. Ich mache mir Gedanken über einen Gespannbau. Mit Holzstöcken, Seilen und Spanngurten muß ich beide Motorräder so verbinden, dass uns der Wind nichts mehr anhaben kann - das müsste funktionieren. - Aber wie hat das alles angenfangen?

die Bikes werden in der Kiste verstaut

Kanada

schöne Autos!!!

 Schon vor 20 Jahren, als ich das Motorradfahren angefangen hatte, kam mir dieser Traum in den Sinn. Einmal mit dem Motorrad durch den ganzen amerikanischen Kontinent, von Alaska bis nach Feuerland. Damals fehlte mir einfach das nötige Kleingeld und so wurde dieser Traum immer mehr verdrängt. Auch meine extreme Kurzsichtigkeit und ein guter Job haben mich davon abgehalten. Trotzdem wurde ein entsprechender Reisebericht immer in meinem Motorradordner aufbewahrt. Die letzten eineinhalb Jahre waren dann ausschlaggebend und es hat sich immer mehr herauskristallisiert, dass wir einfach wegfahren müssen. Der treibende Keil war letztendlich meine Frau. Also warum nicht den alten Traum von der Panamericana verwirklichen. Inge wollte unbedingt weg und mein Job war auch nicht gerade die Erfüllung.

 Ein dreiviertel Jahr Vorbereitung, das müsste reichen! Wir waren beschäftigt mit Reiseinformationen sammeln, Länder- und Grenzformalitäten ergründen, Flug- und Verschiffungspreise vergleichen, die alten Motorräder umbauen und auf Vordermann bringen, Ersatzteile und Werkzeug beschaffen, Versicherungen kündigen, Campingausrüstung ergänzen, Pässe erneuern und Landkarten besorgen. Goretex-Kleidung und eine neue Kamera mussten her. Sponsoren hatten wir so gut wie keine gefunden, dafür haben einige Versicherungen verrückt gespielt. Unser Hausarzt war für Impfungen und Medikamente zuständig und wäre am liebsten gleich selbst mit gefahren. Auf ein Carnet hatten wir erstmal verzichtet und dann ging es endlich los. 10 Tage vor Abfahrt werden die Bikes zerlegt und mitsamt Gepäck in eine Kiste gezimmert. Per Abschleppwagen habe ich sie zum Flughafen gebracht und mit einer detailierten Liste bei der Spedition Hellmann abgegeben. Das Abschiednehmen vom Vater und Inges Mutter war nicht einfach, aber es musste sein - jetzt oder nie!

Chinatown in Vancouver

USA
Clubhaus des Yachtclubs in Vancouver

die langen Trucks werden immer mehr

 12.06.01: Wir sind am Frachtflughafen in Vancouver, aber niemand weiß etwas von unseren Motorrädern - das geht ja gut los. Die Bikes wurden einfach in Toronto aus dem Flugzeug ausgeladen und so müssen wir warten bis unsere Holzkiste per LKW die 4.000 km westwärts gebracht werden. Eine Woche hängen wir in Vancouver rum und sehen uns jeden Winkel dieser schönen Stadt an. Als wir dann die Zollformalitäten schnell hinter uns haben und unsere Lieblinge unversehrt in Empfang nehmen können, fällt uns ein Stein vom Herzen. Was hatten wir schon Böses gelesen über allzu penible kanadische Agrarbeamte. Zu Hause die Bikes geschruppt wie nie, dass ja kein Schlammspritzer zu finden ist und jetzt wirft niemand einen Blick auf unsere Motorräder.

Wir nehmen die Motorräder in Empfang

am ersten Campingplatz

immer nach Norden - Alaska ruft

 Raus aus der Stadt und durchs schöne British Columbia fahren wir Richtung Norden, nach Alaska. Bereits am ersten Campground werden wir mit der Bärenwarnung konfrontiert, was anfangs ein ungutes Gefühl ist. Wir sehen die Kratzspuren an den Bäumen und hängen unsere Box mit Lebensmittel, Duschgel und Zahnpasta mittels Seil in die Bäume. Auf dem Cassiar Highway haben wir Frost und die Sitzbänke meiner 18 Jahre alten XT 500 und er 11 Jahre alten Honda NX 250 sind vereist. Die Bilderbuchlandschaften mit herrlichen türkisfarbenen Seen entschädigen. Abends versuchen wir mit einem Lagerfeuer die mücken zu vertreiben. Das hier gekaufte Mosquito-Öl ist so aggressiv, dass sich sogar das Plastik meiner Armbanduhr ablöst. Wir lernen die Amerikaner näher kennen und werden meist mit einem kühlen Bier am Campingplatz begrüßt, noch bevor wir unser Zelt aufgebaut haben. Von Zeit zu Zeit sieht man Bären und Elche an der Straße. Die frechen Squirrels verstecken unser Geschirrtuch in den Bäumen. Auch habe ich schon mal mit Helm und Motorradklamotten das Zelt aufgebaut. Nur die ungeschützten Hände waren nach 15 Minuten mit 30 Mückenstichen übersät. Morgens will die XT nicht anspringen, das Unterbrechergehäuse steht unter Wasser. Mit Silicon abgedichtet fahren wir zum Schilderwald nach Watson Lake. Zig tausende von Schildern zeigen die Herkunft der hier vorbeikommenden Reisenden. Mit unserem Beil nagle ich ein Teil unseres kaputten Wasserkanisters an den Pfahl und wir verewigen uns. Irgendwo auf dem endlosen Highway klemmt der Motor, ich kupple aus und starte dann wieder, seitdem ist ein lautstarkes Klappern zu hören. Am Campingplatz stelle ich die Ventile ein, was aber keine Abhilfe bringt. Wir wurden gefragt, ob wir überhaupt wüssten, wie weit es bis Alaska sei, wenn wir unser Ziel nannten. Oft wurden wir für verrückt erklärt, wenn wir erzählten, dass wir bis nach Feuerland wollen. Mit einer Yamaha, die schon 160.000 km runter hat und einer 250er Honda, was für Amerikaner nur ein kleines Moped für Kinder zum Spielen ist.

tausende von Schildern in Watson Lake

der abgefackelte Wasserkanister muß als Schild herhalten

wir versinken im Schlamm Alaskas

 Wir erreichen Alaska bei 25 Grad Celsius, die ersten Gletscher tauchen auf. Valdes ist Wolken verhangen, dafür ist Fischsaison und mannsgroße Heilbutt werden an Land gezogen. Wir werden zum großen Fischbarbecue eingeladen. Hinter Anchorage ist der Zahnkranz der honda im Eimer und kurzerhand werden wir von Jim, einem Harley-Fahrer in sein Haus eingeladen. Wir bleiben fünf Tage, bis wir die Ersatzteile haben. Selbstverständlich können wir jederzeit sein Auto benutzen - in Deutschland ist so eine Gastfreundschaft undenkbar. Wir besuchen den schönen Denali-Nationalpark, die Chena Hot Springs und stecken dann auf dem Dalton Highway zur Prudhoe Bay im Schlamm fest. in Fäirbanks bekommen wir per Luftfracht einen Hinterreifen aus Kalifornien und fahren dann übern "Top of the world Highway" zur Goldgräberstadt Dawson City. Auf der 780 km langen Schotterpiste nach Inuvik haben wir unseren ersten Plattfuß. Der nächste Reifendienst ist 180 km entfernt und so flicke ich selbst, bei strömenden Regen. Wir saugen die Szenerie der türkisfarbenen Seen in Kanada in uns hinein und machen auch mal einen Bummeltag im weltgrößten Einkaufszentrum, der West Edmonton Mall. In der weiten Prärie haben wir drei Reifenpannen an einem Tag - und wir die Nase voll.

und es gibt viele schöne LKW´s

Fischsaison in Alaska

Plattfuß auf dem Dempster-Hwy

türkisfarbene Seen in Kanada

 In Montana sehen wir tatsächlich vereinzelt Cowboys, rechts der Straße die Rocky mountains und links die weite, trockene Prärie. Wir erreichen den Yellowstone-Nationalpark - eine Hexenküche, wo es überall qualmt und brodelt und in der Nacht die Wölfe heulen - ein herrlicher Park. Wir fahren dann Richtung Westen, übernachten am Crater of the moon NP, der durch und durch schwarz ist, schon die nach Westen ziehenden Siedler haben sich hier orientiert. 50 Meter von der herrlichen Pazifikküste Oregons sehen wir eine Gruppe Wale, die immer wieder auftauchen. In den langen Dünen versuche ich mit einem ATV rumzudüsen. Wir campieren direkt an den riesigen Redwoods, Mammutbäume mit mehreren Metern Durchmesser. In Californien haben wir die kältesten Tage unserer Reise, am Mt. Tamalpais. Hier erfahren wir vom Terroransschlag in New York und sind zutiefst betroffen. Im Death Valley bekomme ich selbst mit dem Hammer keine Häringe in den betonharten Sandboden, die Luft ist so heiß, als ob man sich den Fön auf voller Stufe ins Gesicht hält. In Las Vegas, einem Spielplatz für Erwachsene verliere ich in 10 Minuten 60 Dollar, dafür genießen wir das klimatisierte Hotelzimmer und den Pool. Eine verrückte, aber durchaus sehenswierte Stadt. Der Grand Canyon, Zion Canyon und der Bryce Canyon prägen sich ehrfürchtig in uns ein und ich verknipse einige Filme. Übers Monument Valley, bekannt von den Western, kommen wir nach Tucson, letzte Station vor Mexiko. Wir sehen die riesigen Kakteen und sehen uns in Tompstone die Schießerei mit Wyatt Earp und Doc Holiday an. Am Friedhof sieht man, dass hier kaum einer eines natürlichen Todes gestorben ist.

Reifenflicken bei Regen und Mückenplage

dicke Dinger

fantastische Landschaften

die schönen Momente der Reise

 Zig mal wurden wir gewarnt, vor Mexiko, alles Räuber, Verbrecher, Banditen. Mit gemischten Gefühlen fahren wir in dieses Land. Schon nach dem Grenzübergang sieht alles ganz anders aus. Viel Armut, kaputte Autos, badewannengroße Löcher in den Straßen, viel Müll, große Abzocke und starke Luftverschmutzung nehmen wir war. Mangels Campingplätze übernachten wir nun in billigen Hotels. Mit jedem Kilometer wird es heißer, die unzähligen Topel (kleine Hügel zur Geschwindigkeitsbe-
grenzung) werden zur Materialschlacht für die Bikes und ständig kommt einem eine Meute Hunde entgegen. Wir genießen das Schnorcheln im badewannenwarmen Pazifik und sind enttäuscht von Acapulco. Überflutete Straßen, schlechte Pisten und triefende Nässe in den Bergen begleiten uns bin nach Yucatan. Bei schönstem Wetter bleibt die Honda einfach stehen. Fehlersuche am Straßenrand, es war nur das hängengebliebene Schwimmernadelventil. An einem Seil erklimmen wir die pyramiden in Chichen Itza. Vor Cancun wird mir eine bitterböse Loch-Berg-Kombination zum Verhängnis. ich hebe ab, die XT ist nicht mehr zu halten und schrammt mit den Alukoffern auf dem Asphalt. Gott sei´s gedankt, mir ist nichts passiert. Oft wurden wir für verückt erklärt, bei der Affenhitze mit Schutzkleidung und Helm zu fahren - es hat sich gelohnt. Der Lenker steht rechtwinklig nach unten und wird von mir an einer altenLKW-Felge wieder zurechtgebogen, seitdem habe ich eine Gas-Feststellung. An der karibischen Küste genießen wir das hellblaue Meer, 10 Meter vor unserem Hotelzimmer. Wir machen einen Tauchkurs. Plattfüße und gebrochene Speichen werden zur Routinearbeit.

Karibikküste auf Yucatan

Mayastadt Tikal

alles hupt - und keiner weiß warum

 Durch Belize geht´s nach Guatemala. Ab jetzt fahren wir ohne Versicherung - das kleinere Übel, wenn man bedent, dass hier regelmäßig die Touristen ausgeraubt werden. Die Grenzübergänge sind in Mittelamerika absolut chaotisch und meist nur mit einem jungen Guide zu bewältigen. Meinen 40ten Geburtstag verbringen wir in Tikel, der Ruinenstadt im Urwald. Fliegende Affen, Tukane und unbekannte Tierarten sind zu sehen. Schmiergeld und viel viel Zeit ist erforderlich für die Einreise nach Honduras. Wenige Stunden zuvor wurden noch sechs Leute erschossen. Wir halten uns nur kurz in diesem Land auf, sehen Bananenstände, Friedhöfe mit bunten Plastikfolien und Leute, die mit Macheten die Straße freihalten, es würde sonst alles sofort zuwuchern. Die Militärkontrollen zählen wir nicht mehr, verlaufen sie doch meist human, wenn man sich stur stellt. Die Kriminalität in den engen Marktgassen ist besonders abends zu spüren und wir lassen alle Wertsachen am Hotel, die Bikes hatte ich zuvor wie ein Rodeoreiter über drei Stufen direkt in die Hotellobby gefahren. Selbst für Nicaragua benötigen wir keine Visa, dafür ist die Straße wie ein Emmentaler und erfordert höchste Konzentration beim Fahren. Vor San Pedro Sula versucht mich ein entgegenkommender LKW platt zu machen, nur eine Reflexbewegung lässt mich noch von der Straße runterfahren - der Verkehr ist irre! Die hygienischen Verhältnisse werden immer schlechter, die Ochsenkarren immer mehr. Kinder verkaufen einzelne Kaukummis, um für den Lebensunterhalt der Familien beizutragen. Vor jeder Bank stehen schwer bewaffnete Jungs, es gibt riesige Zäune und Gitter um sämtliche Gebäude und trotzdem treffen wir nur freundliche, aufgeschlossene Menschen.

See Peten/Guatemala

Bananen am Straßenrand

 Durch Belize geht´s nach Guatemala. Ab jetzt fahren wir ohne Versicherung - das kleinere Übel, wenn man bedent, dass hier regelmäßig die Touristen ausgeraubt werden. Die Grenzübergänge sind in Mittelamerika absolut chaotisch und meist nur mit einem jungen Guide zu bewältigen. Meinen 40ten Geburtstag verbringen wir in Tikel, der Ruinenstadt im Urwald. Fliegende Affen, Tukane und unbekannte Tierarten sind zu sehen. Schmiergeld und viel viel Zeit ist erforderlich für die Einreise nach Honduras. Wenige Stunden zuvor wurden noch sechs Leute erschossen. Wir halten uns nur kurz in diesem Land auf, sehen Bananenstände, Friedhöfe mit bunten Plastikfolien und Leute, die mit Macheten die Straße freihalten, es würde sonst alles sofort zuwuchern. Die Militärkontrollen zählen wir nicht mehr, verlaufen sie doch meist human, wenn man sich stur stellt. Die Kriminalität in den engen Marktgassen ist besonders abends zu spüren und wir lassen alle Wertsachen am Hotel, die Bikes hatte ich zuvor wie ein Rodeoreiter über drei Stufen direkt in die Hotellobby gefahren. Selbst für Nicaragua benötigen wir keine Visa, dafür ist die Straße wie ein Emmentaler und erfordert höchste Konzentration beim Fahren. Vor San Pedro Sula versucht mich ein entgegenkommender LKW platt zu machen, nur eine Reflexbewegung lässt mich noch von der Straße runterfahren - der Verkehr ist irre! Die hygienischen Verhältnisse werden immer schlechter, die Ochsenkarren immer mehr. Kinder verkaufen einzelne Kaukummis, um für den Lebensunterhalt der Familien beizutragen. Vor jeder Bank stehen schwer bewaffnete Jungs, es gibt riesige Zäune und Gitter um sämtliche Gebäude und trotzdem treffen wir nur freundliche, aufgeschlossene Menschen.
 In Costa Rica, der Schweiz Zentralamerikas, herrscht etwas mehr Zivilisation, wir sehen uns die Kaffeeplantagen an und wandern durch den Regenwald. Warum es wohl im Regenwald immer regnet? Wir sehen viele Kolibris, riesige Farnbäume und farbenpräüchtige Orchideen. Die Hotels sind meist wie Burgen aufgebaut, wo man im Innenhof sicher Parken kann. Manchmal kann man sogar "Deutsche Welle" im TV ansehen. In meinem ganzen Leben habe ich noch nicht so viele Radarkontrollen erlebt. Nach sintflutartigen Regenfällen stellen wir fest, dass keine unserer neuen Goretex-Klamotten dicht hält, ich schütte das Wasser aus den Stiefeln und wir lassen den ganzen Tag den Ventilator im Zimmer laufen, sonst wäre bei dieser hohen Luftfeuchtigkeit nichts trocken zu kriegen.
 In Panama-City, wo jeder hupt und keiner weiß waru, organisieren wir die Versendung der Bikes nach Quito. Kolumbien lassen wir aus, es gibt uns dort zu viele Entführungen und wir wollen kein unnötiges Risiko eingeben. Nach zwei Wochen ist alles organisiert und die Bikes in einer Holzkiste verpackt. Wir lernen Ken und Carl, die beiden US-Amerikaner kennen, sie wollen auch nach Ushuaia- nur schneller als wir. Wir haben kein Carnet de passage und brauchen zwei Tagen, um die Motorräder aus dem Zoll zu bekommen. Inge bekommt in Quito Herzrasen, die 2800 m Höhe machen sich bemerkbar. Bei Nacht regnet es ins Zimmer, wir stellen einfach das Bett um. Die Vulkane sind Wolken verhangen und so fahren wir bis zur Bananenhauptstadt Machala, es wurde alles gerodet und man sieht nur noch riesige Bananenplantagen.

 Die Grenze zu Peru ist ein riesiger Menschenauflauf und wir zwängen uns mit den Bikes durch. Während der Grenzformalitäten bewacht meine Frau die Motorräder, überall wird rumgefummelt. An der Pazifikküste fahren wir zig Kilometer durch die Wüste, an ewig langen Sandstränden vorbei, wo kein Mensch zu sehen ist. Bei einer Polizeikontrolle klaut uns ein Beamter die Wasserflasche, weil er nicht mit der Honda meiner Frau fahren darf und wir hauen einfach ab. Unsere verschimmelten Schlafsäcke lassen wir reinigen, bewundern bei 40 Grad im Schatten die Plüschschneemänner unter Palmen und durchqueren die vonm Sand zugewehte Panamericana. Kinder schlagen sich darum, wer unsere Stiefel putzen darf. Lima wollten wir vermeiden und doch gibt es keine Umgehungsstraße, die XT glüht im Stau. Am Heilig Abend sehen wir uns die Nazca-Linien von oben an. (Mann ist mir schlecht!)

Bambusstauden am Straßenrand

Flimmerlicht

ganz schön eng im Panamakanal

Luftspiegelung in der Wüste

Christbaum einmal anders

 Der chilenische Grenzbeamte lässt unser ganzes Gepäck röntgen. Eine atemberaubende Glücksfahrt führt uns von Meereshöhe bis 4500 mö Höhe zum Lago Chungara, dem höchstgelegenen See der Welt. Modernder Geruch ist in der Luft und die Guanakos grasen in Ruhe neben der Straße. In Arica bekommen wir zum ersten mal kein Geld mit unseren Kreditkarten und zum Glück können wir Reiseschecks tauschen. Bei der Yamaha löst sich langsam die Hinterradnabe auf, sie schleift schon am Kettenspanner, das viele Gepäck fordert seinen Tribut. Wir saugen die Einsamkeit der Atacama-Wüste in uns hinein, hier gibt es nicht einen Tag Regen im Jahr. Auch das utopisch wirkende Valle de la Luna ist faszinierend. Obwohl das hier die trockenste Gegend der Welt ist, habe ich immer Feuchtigkeit im Unterbrechergehäuse, was zu Zündproblemen führt. Gegen Durchfall und Bauchschmerzen nehme ich eine Schachtel der guten Kohletabletten, wie vermissen wir doch das deutsche Schwarzbrot. In Santiago de Chile erneuern wir Reifen und Ketten für die letzte Etappe, Teile für die XT würden per Luftfracht 5 Wochen benötigen und so bestellen wir nichts. Ein Auto, das ich versehenlich anfahre, haut zu meinem Glück einfach ab. In der Vulkangegend um den Villarica gewöhnen wir uns wieder an das Campen und einige Kilometer weiter südlich sieht es aus wie bei uns in Deutschland. Ab Puerto Mont beginnt die Materialschlacht. Die Carreterra Austral besteht nur noch aus faustgroßen Steinen und mit 30 km/h kämpfen wir wie Don Chuichote gegen die Windmühlen. Brennende Reifen und quer gespannte Seile verhindern die Weiterfahrt - hier streiken die Fischer.
 Wir drehen um und fahren nach San Carlos de Barriloche in Argentinien. An der Grenze bricht mein Kickstarter und Inge schleppt mich mit der kleinen Honda an. Türkisfarbene Seen und viele deutsche Schilder tauchen auf. Für die Schweißarbeit am Rahmen der Yamaha im Commodoro Rivadavia würde und der deutsche TÜV wohl 5 jahre einsperren lassen. Trotz der endlos langen Zäune, sieht man überall Nandus und Guanakos über die Straße springen. Wir fahren weiter nach El Calafate, sehen uns das Naturschauspiel am Gletscher Perito Moreno an und kämpfen gegen orkanartige Winde, die einen fast in den Straßengraben drängen. Mittags bauen wir unter einer Brücke unser Zelt auf. Wind und Schotter verhindern eine Weiterfahrt. Im Torres del Paine werden die Boen noch schlimmer, Inge ist nur noch ein Angstbündel, die Bikes werden einfach umgeblasen und abends hört es sich an, als ob jemand mit dem hammer aufs Zelt schlägt - aber das ist hier alles normal! Mit aller Gewalt versucht der Wind unsere Behausung aus dem Untergrund zu reißen. Die herrlichen Seen und die Landschaft entschädigen.

Route auf dem Alu-Koffer

auch in Chile gibt es nette girls

im Tal des Mondes

türkisfarbene Seen

 Von Punta Arenas aus machen wir eine Tour zur Insel Magdalena, wo tausende von Pinguinen für viele Fotomotive sorgen. Mit der Fähre setzen wir über nach Feuerland. Pick-ups und Lkw´s kommen mit einem Höllentempo entgegen und es herrscht erstmal für eine Minute null Sicht. Steine kommen geflogen und auch hier bewähren sich die Gitter vor unseren Scheinwerfern. Wir übernachten in einer Turnhalle und erreichen nach 50.000 km unser Ziel Ushuaia, die südlichste, anfahrbare Stadt Amerikas. Im Nationalpark feiern wir mit anderen Bikern Inges Geburtstag - wir haben es geschafft. Was für eine Tour!
 Auf der Fahrt nach Buenos Aires müsswn wir durch ein Desinfektionsbad fahren und sehen durch den vielen Staub aus wie Marsmenschen. Wind + entgegenkommende LKW´s = Lenker fest + durch. Wir werden noch von einem jungen argentinischen Paar eingeladen und machen eine gemeinsame Biker-Tour. An der Atlantikküste fahren wir bis Buenos Aires. Strandspaziergänge sind zur Lieblingsbeschäftigung geworden. Die kleine Honda NX 250 hat mittlerweile über 100.000 km auf dem Buckel und braucht keinen Tropfen Öl! In der Stadt brodelt es gewaltig, wir bekommen kein Geld mehr und schicken die Bikes nach Hamburg. Es regnet Senf vom Himmel und Frauen versuchen uns zu beklauen. Wir besuchen noch die gewaltigen Iquazu-Fälle und fliegen anschließend nach Miami/Florida, wo das nächste Abenteuer beginnt.

Wolfgang Schwarzenböck



REISEINFOS

Aprill 2003


die Erde ist eine Scheibe

verzogene Kinder

Autor:

Wolfgang Schwarzenböck, geb. 10.11.61, Bürokaufmann und Mechatroniker, bisherige Motorradreisen: Gesamt-Europa und Türkei.

Inge Schwarzenböck, geb. 02.02.63, technische Zeichnerin und Krankenschwester, bisherige Reisen: 7 Jahre Seefahrt und Motorradtouren in Europa.

Allgemeines:

Die Panamericana erstreckt sich von Alaska bis nach Feuerland mit ca. 35.000 Kilometern. Oft wird man von der Hauptroute abweichen, um interessante Dinge zu erkunden und so kommen schnell 50.000 Kilometer zusammen.

Motorräder:

Yamaha XT 500, Bj. 83, bei Reiseantritt 140.000 km, Umbau: 32-Liter-Tank, Hauptständer,Alukoffer, selbst gefertigter stabiler Gepäckträger.

Honda NX 250, Bj. 90, bei Reiseantritt 50.000 km, Umbau: 19-Liter-Tank, Hauptständer, Givi-Koffer, Tieferlegung (Inge ist nur 1,50 m groß).

Ich empfehle eine relativ neue Enduro, nicht zu schwer und nicht zu wertvoll. Reichweite von 500 km ist ausreichend (zur Not kann man Sprit auch in Plastikflaschen abfüllen), grobstolliges Profil für Südamerika, GPS war nicht notwendig, es gilt das Prinzip: was man nicht hat, das braucht man auch nicht.

Klima:

Immer zur richtigen zeit am richtigen Ort zu sein ist praktisch unmöglich. Ausschlaggebend sind die nördlichen und südlichen Breitengrade. Ab September kann es in Alaska richtig ungemütlich und kalt werden. Für Feuerland ist Dezember bis März die beste Reisezeit. Die Regenzeit in Bolivien (November - März) machen die Reise auf den unbefestigten Straßen zur Schlammschlacht und die Salzseen stehen zum Teil unter Wasser.

Anreise:

Per Luftfracht mit Bikeworld Travel, Detmold nach Vancouver/Kanada, 2 Motorräder in einer Kiste verpackt, One-Way= DM 3000,-. Per Luftfracht nach Alaska dürfte das Doppelte kosten.

Südamerika:

Da es keine Landverbindung von Panama nach Kolumbien gibt, bietet sich ein Versand der Motorräder per Luftfracht an. Unsere Luftfrachtspedition Panalpina können wir nicht weiterempfehlen. Besser mit "Copa" oder "Girac", da gibt es keine Probleme und ist billig (ca. 250 Dollar/Motorrad). Von Buenos Aires hatten wir die Bikes mit der Reederei "Hamburg Süd" verschifft, ohne Kiste und für 1100,- Euro, die wir in Hamburg bezahlen konnten. Auch eine Einlagerung in Hamburg war problemlos möglich.

Gesundheit:

Einige Wochen vor Reisebeginn mit Impfungen beginnen. Hausarzt und Tropeninstitut konsultieren. Arznei und Verbandskasten besser mitnehmen und nicht gebrauchen. Wir nahmen keine Malaria-Prophylaxe. Spezielle Auslandskrankenversicherung abschließen, auf eine Anwartschaft hatten wir aus Kostengründen verzichtet.

Formalitäten

Neue Reisepässe, nationale und internationale Führerscheine und Zulassungen, Kfz-Versicherungen hatten wir für nordamerika, Mexico und Belize - wurden aber nie danach gefragt, heute würden wir ganz ohne Versicherung fahren, es dürfte schwierig sein, eine gültige Versicherung in den mittelamerikanischen Ländern zu finden. Visum war für kein Land erforderlich, an jeder Grenze bekommt man einen Aufenthalt für mindestens drei Monate, auch ein Carnet de Passage hatten wir nicht. In Quito gab es deshalb Probleme bei der Abholung der Bikes, die sich mit zähen Verhandlungen lösen ließen. Zusätzliche Passbilder waren nie notwendig.

Sprache:

Englisch sollte man einigermaßen beherrschen, mit etwas Spanisch kommt man ab Mexiko mit allen Leuten sofort ins Gespräch, es gibt günstige Sprachschulen in Guatemala, wo man in vier Wochen den größten Wortschatz erlernt.

Unterkunft:

Mit einem Zelt kann man viel Geld sparen und zur Not überall übernachten. In Nordamerika, Argentinien und Südchile haben wir fast nur gezeltet, während die Zimmer ab Mexiko billig sind und die Bikes sicher in einem Innenhof abgestellt werden können. Europäischen Standard kann man nicht erwarten, ein Mosquito-Netz ist manchmal nützlich.

Geld:

Bargeld in US-Dollar sollte man immer bereit haben, mit Visa- und Mastercard kann man in größeren Städten Geld abheben. In Südamerika klappt es sogar mit der EC-Karte (maestro), Travellerschecks zur Reserve und 200 Dollar am Motorrad versteckt (falls man doch mal ausgeraubt wird.

Literatur:

Viel Reiseliteratur mitzuschleppen ist für Motorradfahrer fast unmöglich. Wir hatten Reiseinfos in ein Buch zusammen geschrieben und das Mittelamerika-Handbuch, sowie das "South America" von lonely planet dabei. Man kann sich überall vor Ort erkundigen. Als Übersichtskarten hatten wir die Karten vom R+V-Verlag im Maßstab 1:4 Mio. dabei. In den meisten Ländern kann man genauere Karten kaufen, Mittelamerika ist etwas problematisch. Für Chile empfehle ich die Copec-Karte des Tankstellennetzes.

Straßen:

Jeder geübte Motorradfahrer kann sich die Tour zutrauen. Mit Schlamm in Alaska, großen Löchern in Zentralamerika, gröbsten Schotterpisten und orkanartigen Winden in Patagonien ist zu rechnen.

Kleidung:

Meist war es uns zu heiß und trotzdem sollte Schutzkleidung getragen werden. Die Gore-Tex-Sachen erwiesen sich alle nicht dauerhaft als regendicht, besser eine Regenkombi mitnehmen.

Post:

Eine e-mail-Adresse ist mehr als nützlich, überall in Mittel- und Südamerika gibt es günstige Internet-Cafes. In USA und Kanada geht man in Büchereien.

Foto

Eine neue Minota Dynax 7 mit 50mm, 24mm und 70 - 210 mm-Objektiven sorgte für Super-Dias. Bei der Kamera traten Risse im Plastikgehäuse auf (kein Stoßschaden, vermutlich durch Hitze und Vibrationen entstanden). Als Dia-Filme wurden überwiegend Fuji oder Kodak 100 oder 64 ASA benutzt. Möglichst viele Filme von zu Hause mitnehmen, die sind nämlich überall sehr teuer und nicht immer zu bekommen. Die Filme hatten wir von "sicheren Staaten" nach Hause geschickt.

Highlight

Besuch der Isla Magdalena von Punta Arenas aus, dort gibt es Tausende von Pinguinen zu sehen.


  Fireweed entlang des Highways     Monster in Alaska     ehemalige Kornspeicher in Kanada     Trucks in Kanada


  
Hotels in Las Vegas     Die Versuchung     im Wilden Westen     Polizist vor einer Bank


  
gefährliche Stadt     exotische Pflanzen     durch die Wüste     Heilig Abend


  
Schießerei in Tucson     Joshua Trees     Kennzeichen des Nordens     nach dem Dalton Hwy.


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